Zu Gast bei einem Gelehrten & Abschied

18. & 19. Oktober 2012

Fastenbrechen in der Moschee des Propheten (saw)

Es ist Donnerstag, es wird jeden Augenblick zum Nachmittagsgebet gerufen. Und wir fasten, wie viele weitere Pilger mit uns. Wir fasten an einem Donnerstag, weil unser geliebter Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, jeden Donnerstag zu fasten pflegte und wir diese schöne Tradition in bescheidener Weise – zumindest für diesen einen Tag – fortführen möchten.

Wir befinden uns auf dem Weg in die Moschee, um einen besonderen Menschen zu besuchen, einen Gelehrten und guten Freund meines Begleiters. Gemeinsam wollen wir ein wenig von seinem Wissen profitieren und das Fasten brechen.

Er sieht unscheinbar aus, sitzt auf dem Boden, lächelt bescheiden. Ab und zu kommen Schüler vorbei und begrüßen ihn. Neben ihm sitzt ein Mann, voller Konzentration wippt er sanft mit seinem Oberkörper vor und zurück während er Koran rezitiert.

Muhammad Abu Rauwwasch ist kein Gewöhnlicher Koranlehrer. Er gehört zu einer Minderheit von Gelehrten, die damit beauftragt sind, den Korandruck der King Fahd Druckerei zu überwachen. Er ist der Leiter der Druckkontrolle, die sich mit der Qualitätssicherung von Schrift, Druck und Fertigung befasst. Bevor der Koran gebunden wird, werden die Druckplatten vollständig auf Fehler überprüft. Und noch bevor die Koranausgaben das Druckhaus verlassen, werden sie ein weiteres Mal stichprobenartig kontrolliert. So wird gewährleistet, dass jede einzelne Koranausgabe, die das Druckhaus verlässt, 100 % mit dem Koran übereinstimmt, wie er vor über 1400 Jahren dem Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, offenbart wurde.

Direkt nach dem Gebetsruf zum Abendgebet dürfen wir unser Fasten brechen. Mit Wasser, Datteln, Brot und einer wohlschmeckenden Gewürzmischen, in die wir die Brotstückchen tunken – neu für mich, aber sehr lecker!

Leider haben wir nur wenig Zeit. Denn wie jeden Abend gibt es zwischen dem Abend- und Nachgebet Koranunterricht auf dem Dachgeschoss der Moschee. Wir müssen uns verabschieden und machen uns auf den Weg zu unserem nächsten Termin.

19. Oktober 2012

Morgen, Samstag, nach dem Früh-Gebet, werden wir bereits nach Makka aufbrechen. Die Hadjj rückt immer näher. Ich gehe mit meiner Frau noch einmal ins Haram. Wir möchten uns vom Gesandten, unserm geliebten Vorbild, dem Besten aller Geschöpfe, verabschieden – Allahs Segen und Frieden seien auf ihm. Wir setzen uns auf den Boden im Hof der Moschee und genießen die letzten Augenblicke dieses spirituellen Zentrums. Für meine Frau ist es die erste Hajj, sie fängt an zu weinen… Assalamu alaikum, ya rasul-Allah!

Bitte betet viel für uns! Morgen beginnt ein weiterer, anstrengender Teile der Reise. Direkt nach dem Früh-Gebet werden wir mit den Bussen nach Makka fahren.

Der nächste Beitrag wird also ein wenig auf sich warten lassen. Dann aber, mit der Erlaubnis Gottes, über die Fahrt nach Makka, dem Miqaat und den ersten Bildern der Kaaba und den Pilgern, gehüllt in den Ihram, ihrem Pilgergewand, das für die Männer aus nur zwei weißen, schlichten Tüchern besteht.